Erlebe jüdische Geschichte in Polen

jüdische Geschichte in Polen

Im 16.  und 17. Jh. war Polen-Litauen eines der größten und am tolerantesten Länder Europas. Die konfessionelle Vielfalt war einzigartig in Europa. Erleben Sie die Jüdische Geschichte Europas in Polen.Viele Juden haben sich damals in der Republik der polnischen Krone und des Großfürstentums Litauen niedergelassen, das Land wurde deshalb das paradisus Iudaeorum (Latein für „Paradies für Juden“) genannt. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten noch 3,3 Millionen Juden in Polen: Es war damals die größte jüdische Gemeinschaft in Europa und die zweitgrößte der Welt.

Seit dem Fall des Kommunismus ist das jüdische kulturelle, soziale und religiöse Leben wieder lebendig. Viele Synagogen, jüdische Friedhöfe und andere Objekte wurden renoviert. Interessante jüdische Festivals finden statt, Buchhandlungen, Cafés und Restaurants mit jüdischem Flair wurden geöffnet. Heutzutage leben nur noch 3.200 Juden in Polen, vor allem in Warschau, Krakau, Lodsch und Breslau.

tarnow jewish cemetery

Photo by: Emmanuel Dyan | Flickr under license CC BY 2.0. Title: Tarnow, Jewish Cemetery, Poland.

Krakau, die Stadt von “Schindlers Liste”

Besuchen Sie die Stadt wo Oskar Schindler das Leben von mehr als 1000 Juden  vor dem Holocaust gerettet hat. Lernen Sie die Traditionen und Kultur der Krakauer Juden kennen beim Besuch am ehemaligen Jüdischen Viertel Kazimierz. Heutzutage ist Kazimierz ein sehr lebendiges Stadtteil mit gemütliche Cafés und Bars, wo  es oft live Konzerte gibt. Es gibt mehrere Jüdische Buchhandlungen, wo man Bücher in verschiedenen Sprachen kaufen kann. Probieren Sie Jüdische Gerichte in einer der vielen Restaurants.

In Kazimierz findet auch das jährliche (Ende Juni oder Anfang Juli) neun Tage dauernde Jüdische Kultur Festival statt. Es ist eines der größten und radikalsten avant-garde Festivals für jüdische Kultur in der Welt. Künstler und Besucher aus den verschiedensten Länder nehmen teil an Konzerten, Ausstellungen, Vorlesungen, Workshops, Exkursionen, Filmvorführungen, und Buchpräsentationen. Das wichtigste sind aber die Konzerte mit jüdischer Volksmusik, vor allem Klezmer-Musik, Radical Jewish Culture (traditionelle jüdische Musik mit Jazz- oder Punkelementen), synagogalem Gesang, klassischen und chassidischen Musik, und Tanz. Das Öffnungskonzert findet immer in einer der 7 Synagogen in Kazimierz statt. Das Abschlusskonzert „Shalom in der Szeroka Straße“ wird  immer  im Freiluft in der Szeroka Straße, der alte Stadtplatz und einst das Zentrum des jüdischen Lebens, gehalten.

Es gibt noch 7 Synagogen in Kazimierz, gebaut in verschiedenen architektonischen Stilen: Gotik, Renaissance, Barock, Neoklassik und Modern. In der Stara Synagoga, die älteste Synagoge in Polen (15. Jh.), finden Sie das Museum für Jüdische Geschichte und Kultur. Sie besuchen die Ausstellung mit Audio Guide in der deutschen, englischen, hebräischen  oder polnischen Sprache. Der wertvollste jüdische Friedhof  in Polen ist der Alter Jüdischer Friedhof, direkt neben der Remuh-Synagoge (16. Jh.) in der Szeroka Straße.

Das  Jüdische Museum Galizien  ist eine Gedenkstelle für die Opfer des Holocausts sowie eine Ausstellung die der jüdischen Kultur in polnisch Galizien gewidmet ist.

Nicht weit vom ehemaligen Krakauer Getto war das KZ Płaszów. Der deutsche Fabrikant Oskar Schindler hat ungefähr  1100 Juden aus diesem KZ beschäftigt in seinen Rüstungsbetrieben und damit vor der Deportation zum Vernichtungslager Auschwitz gerettet. In der Nähe, in der Lipowa Straße, ist Oskar Schindlers “Deutsche Emailwarenfabrik (DEF)” wo man die Ausstellung “Krakau unter der Nazi-Besatzung 1939–1945″ besuchen kann. Steven Spielberg verfilmte in den neunziger Jahren des 20. Jh. Schindlers Liste , die Aufnahmen fanden vor allem an Originalschauplätzen im jüdischen Viertel Kazimierz statt.

Eine schwarze Seite aus dem Buch der jüdischen Geschichte

In der Nähe von Krakau, in dem Ort Oswięcim, befindet sich das Vernichtungs – und Arbeitslager  Auschwitz-Birkenau. Es war das größte und meist gefürchtete KZ in Europa. Orte des Gedenkens des Holocaust Massakers sind das Museum im KZ Auschwitz I und, 3km entfernt, das KZ Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II), das eigentliche Vernichtungslager. Hier können Sie einige Holzbaracken besuchen.

Warschau, wo die größte Jüdische Gemeinschaft lebte

In 1939 lebte die größte jüdische Gemeinschaft Polens in Warschau (375.000 Menschen, also ein Drittel der Bewohner), es war die zweitgrößte Gemeinschaft der Welt, nach New York. Der berühmte jüdische Autor Isaac Bashevis Singer, Nobel Preisträger für Literatur in 1978, ist in 1902 in Leoncin in der Nähe von Warschau geboren. Auf dem Gelände des ehemaligen Warschauer Gettos ist das Museum der Geschichte der Polnischen Juden einen Besuch wert. Sehen Sie hier die Multimedia Ausstellung über die 1000-jährige lebendige Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Polen. Das Museum ist auch ein wichtiges Zentrum für Bildung und  Forschung. Weil das Getto völlig zerstört wurde gibt es nur noch wenige  Reste der Gettomauer. Sie finden die Mauer Reste in den  Innenhöfen an der Sienna Straße 55, Złota Straße 62 und Waliców Straße 11.

jewish museum in warsaw

Photo by: U.S. Department of Commerce | Flickr under license CC BY-ND 2.0. Title: Visit to the Jewish Museum, Warsaw.

Auch am Jüdischen Friedhof an der Okopowa Straße (Gensha Friedhof) sind noch Überreste der Mauer zu finden. Es ist einer der größten jüdischen Friedhöfe in Europa mit 200.000 Grabstätten. Es wurde in 1806 angelegt, und ist einer der wenigen noch funktionierenden jüdischen Friedhöfen in Polen. Viele bekannte Juden (zB. Ludwik Lejzer Zamenhof, Marek Edelmann, Esther Rachel Kamińska) aus Warschau aber auch aus ganz Polen wurden hier beerdigt. Eine Vielzahl der Grabdenkmälern ist historisch und artistisch sehr wertvoll.  Der Brodno Jüdische Friedhof, angelegt in 1799, ist der älteste jüdischer Friedhof in Warschau.

Die Nozyk Synagoge in der Twarda Straße, die einzige übergebliebene Vorkriegssynagoge in Warschau, ist täglich geöffnet außer Samstag. Täglich und an den wichtigsten Jüdischen Feiertagen findet einen Gottesdienst statt. Jedes Jahr werden in Warschau verschiedene Jüdische Kultur Festivals organisiert. Im jüdischen Theater Teatr Żydowski im. Estery Rachel i Idy Kamińskich können Sie Theater in der jiddischen und polnischen Sprache erleben.

Lublin, das jüdische Zentrum in Süd-ost Polen

Lublin war eine lebendiges Zentrum für jüdische Kultur und Zentrum des Chassidismus. Schon in 1517 wurde hier eine Jeschiwa (Hochschule) gegründet. Die Stadt wurde zum wichtigsten Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit in Polen und Ostmitteleuropa. Lublin war das sogenannte  Jerusalem des Königreichs Polen. Die damals größte Talmudschule der Welt, die Chachmei Lublin Jeschiwa wurde 1930 in Lublin gegründet. Spüren Sie die jüdische Vergangenheit in den Gassen der Altstadt, wenn Sie die Route der Erbe der Lubliner Juden folgen. Der Jüdische Friedhof (Station 4) ist sehr Sehenswert, es ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof, mit Grabsteinen aus dem 16. Jh., in Polen.  In Majdanek, ein Vorort von Lublin, war das KZ Majdanek das erste deutsche Konzentrationslager der SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) im besetzten Polen, später auch Vernichtungslager. Hier ist eine Gedenkstätte, das Staatliche Museum Majdanek, eingerichtet.

Jüdische Geschichte in der Perle der Renaissance – Zamość

In der wunderschönen Stadt Zamość in Ostpolen, ist ein modernes ‚Synagoge‘ Zentrum in der Renaissance Synagoge in Zamość eingerichtet. Besuchen Sie das Multimedia Museum für Geschichte der Juden in Zamość und Umgebung. Das Zentrum ist ein Kulturelles Zentrum: Es werden Vorlesungen, Seminare und Akademische Konferenzen, Ausstellungen, Konzerte organisiert. Die Synagoge funktioniert auch als Gebetsraum für jüdische  Einwohner als auch Besucher der Stadt. Wenn Sie mehr jüdische Denkmäler in Südost Polen entdecken möchten, dann sollten Sie das Informationszentrum Chassidische Route in der Synagoge besuchen.

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Synagogue in Zamość. Photo by J. Tatarkiewicz

Die Barocke Synagoge in Łańcut

Wenn Sie die Chassidische Route folgen, kommen Sie in der Kleinstadt Łańcut. Neben dem Schloss der Familien Lubomirski und Potocki gibt es hier eine sehr schöne Synagoge und zwei jüdische Friedhöfe. Die Synagoge in Lańcut wurde in 1761 gebaut und wurde finanziert von Stanisław Lubomirski. Es ist einer der bedeutendsten sakralen Bauten in Polen. Die Synagoge finden Sie am Jan III Sobieski Platz unweit des Schlosses.

Das Interieur der Synagoge ist verziert mit Ornamenten aus dem 18. Jahrhundert, Wandmalereien und Polychromien von biblischen Szenen, Blumen und Tieren Motiven sowie hebräische Aufschriften. Es gibt auch eine authentische Bimah. In der Synagoge werden außerdem viele Grabsteine, die von jüdischen Friedhöfen gerettet wurden nach der Zerstörung der Nazis, aufbewahrt. Die Synagoge ist Eigentum der Stiftung zum Erhalt des jüdischen Erbes in Polen.

Museum der Familie Ulma

Im kleinen Dorf Markowa, süd-östlich von Łańcut, finden Sie ein interessantes Museum in einem preisgekrönten Gebäude des Architekts Mirosław Nizio.  Das Museum der Familie Ulma ist das erste Museum in Polen, das die Rettung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Polen während des zweiten Weltkriegs gewidmet ist.

Łódź (Lodsch), Stadt der jüdischen Fabrikanten

Die Textilstadt Łódź war über mehreren Jahrhunderte eine multikulturelle Stadt mit einer großen jüdischen Gemeinschaft. Die Stadt war ein blühendes Zentrum der jüdischen Industrie. Sie können die Geschichte kennenlernen indem Sie Palaste, Bänke, Textilfabriken der jüdischen Unternehmern aus den späten 19. Jh. besuchen.  Sehen Sie z.B. die Textilfabrik von Markus Silberstein, ein Palast und eine Bank von Makysymilian Goldeder und ein schön verziertes Bankgebäude von Wilhem Landau, alle an der Piotrokowska Straße. Das historische Museum in Łódź ist in den Poznański Palast untergebracht.  Der größte jüdische Friedhof Europas finden Sie ebenfalls in Łódź.

Tykocin, Zentrum der jüdischen Kultur in Polen

Malerisch am Narew Fluss gelegen ist das Städtchen Tiktin (Jiddisch für Tykocin) der älteste und schönste Stadtkern in Nordost Polen, eine Barocke Perle. Die ersten Juden wohnten hier schon seit 1522. Sie dürften eine Synagoge bauen, einen Friedhof errichten, und Handel treiben. Die jüdische Gemeinschaft in Tykocin war eine der bedeutendsten in Polen: In 1857 war 70%  der Bevölkerung jüdisch. Im ehemaligen jüdischen Viertel sehen Sie viele historische Gebäude, sowie die Große Synagoge (1642), ein schönes Beispiel des manieristischen Frühbarocken Stils. Es ist die am besten erhaltene Synagoge in Polen. Besuchen Sie die Judaika Ausstellung in der Synagoge. Das ehemalige Talmud Haus (Studien- und Gebetsraum) ist renoviert und führt das Städtische Museum mit einer Ausstellung über das Märtyrertum der Einwohnern von Tykocin während des zweiten Weltkriegs und eine kleine, alte, Apotheke. Der Kirkut – Friedhof – wurde in dem 16. Jh. angelegt.

Włodawa an der Grenze mit Weißrussland und der Ukraine

In Ostpolen, an der Grenze mit Weißrussland und der Ukraine, steht die große Włodawa Synagoge aus dem frühen 18. Jh. Dieses Komplex besteht aus der Włodawa Große  Synagoge, die Kleine Synagoge, und ein Gemeinschaftsgebäude. Es ist die, neben der Tykocin Synagoge, am besten erhaltene Synagoge in Polen, weil es nie von den Nazis zerstört wurde.  In alle drei Gebäuden können Sie Ausstellungen über die Juden aus Włodawa und lokale Folklore besichtigen. Der hohe Toraschrein (Schrein, in dem die Thorarollen aufbewahrt werden) in der Große Synagoge ist sehr schön verziert mit u.a. Musikinstrumenten und Davidsternen.

Zentren für jüdische und polnische Kultur und Bildung in renovierten Synagogen

Die Synagoge zum Weißen Storch  in der lebendigen Stadt Wrocław (Breslau), Südwest Polen, ist, nach jahrelangen Restaurierung, im Jahre 2010 wieder zugänglich. Die Synagoge ist täglich geöffnet, außer Samstag und an jüdischen Feiertagen. Im Zentrum für Jüdische Kultur und Bildung werden verschiedene Events organisiert.

Die große Synagoge in Ostrów Wielkopolski  (Ostrowo, Westpolen) ist seit 2011 wieder geöffnet. Viele kulturelle Veranstaltungen werden hier organisiert.

In Dąbrowa Tarnowska (Südost Polen) wurde das Zentrum für interkulturellen Dialog im neu renovierten Neue Synagoge  in der Berka Joselewicza Straße geöffnet. Sie können das Zentrum  von Dienstag bis Samstag besuchen. Es gibt Ausstellungen, Konzerte, Konferenzen und verschiedene Bildungsangebote. In der Nähe der Neuen Synagoge ist der Jüdische Friedhof aus dem 17. – 18. Jh., wo einige Grabsteine gerettet wurden. In einer Privatwohnung in der Daszyńskiego Straße befindet sich eine kleine Synagoge, gegründet von der Familie Roth. Bis 1995 funktionierte hier noch ein Gotteshaus. Seit 1996 können Sie hier, nach telefonischer Rücksprache (+48 512178822), das Judaika Museum besuchen.

synagogue in dabrowa gornicza

Synagogue in Dąbrowa Tarnowska Photo by J. Tatarkiewicz

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